Hoffnung für Juan

Seit drei Jahren lebt Juan* eingesperrt in einer Hütte, in einem etwa eine Stunde von Felipe Carrillo Puerto entfernten Dschungeldorf . Er wurde gehörlos geboren. Als er ein Jugendlicher war, wurde bei ihm Schizophrenie festgestellt. „Er lebt in Halluzinationen, aber wir wissen nie, was er fühlt oder sieht, weil er ja nicht reden kann“, erklärt seine Schwester. Vor drei Jahren erlitt er einen Unfall und sein Zustand verschlechterte sich erheblich. Er wurde gewalttätig, riß sich die Kleider vom Leib und beschmutzte sich, gefährdete sich und andere. Seine Familie, die dieser Situation vollkommen hilflos und ohne jede Unterstützung ausgeliefert war, beschloss, ihn in der Hütte einzusperren. Sie sah keine andere Möglichkeit mehr, ihn selbst und andere vor ihm zu schützen. Ärztliche Behandlung bekam Juan nicht.

Selbst wenn Juan Zugang zu einem gut ausgebauten Gesundheitssystem, zu Fachärzten und Kliniken hätte, wäre seine Behandlung gewiss schwierig. Doch seine Heimat ist ein Dorf mitten im Dschungel. Zwar gibt es dort ein staatliches Gesundheitszentrum, doch dieses ist schlecht ausgestattet und auf solche Fälle nicht vorbereitet. Die Medikamente, die Juan bräuchte, sind teuer und seine Familie könnte sie ohnehin nicht bezahlen, von anderen Behandlungsmöglichkeiten ganz zu schweigen.

Dr. Juan Pablo Aguilar Mendoza

Im letzten Oktober kamen wir bei unserem Einsatz zum ersten Mal mit Juan und seiner Familie in Kontakt. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gesundheitszentrum, das zur Zeit mit einem Arzt und einer Krankenschwester besetzt ist, begannen unsere Ärzte, Juan medikamentös zu behandeln. Die Kosten für seine Behandlung trägt Medical Mission Network. „Juans Situation ist sehr kompliziert“, erklärt Dr. Juan Pablo Aguilar Mendoza. „Da er gehörlos ist und nicht kommunizieren kann, kann er uns nur über sein Verhalten etwas über seinen Zustand mitteilen. Und natürlich wird er nie ein normales Leben führen können, doch zumindest eine Verbesserung ist möglich.“

Als weiterer erschwerender Umstand kommt hinzu, dass seine Familie keinen Zugang zu einem Telefon hat und ein schneller Kontakt zu unseren Ärzten daher nicht möglich ist. Deshalb ist es eine Erleichterung, dass die Krankenschwester aus dem Gesundheitszentrum die Familie nun ebenfalls unterstützt.

„Für uns ist das alles sehr schwierig. Mein Vater und mein Bruder arbeiten den ganzen Tag und meine Mutter und ich müssen uns allein um Juan kümmern“, erzählt seine Schwester. Seit er Medikamente bekomme, habe sich sein Zustand schon verbessert. „Unser erstes  Ziel war es, sicherzustellen, dass er seine Medikamente regelmäßig einnimmt. Nun müssen wir aber noch weitere Maßnahmen ergreifen“, ergänzt Dr. Juan Pablo Aguilar Mendoza. „Auch sein Umfeld muss stabilisiert werden.“

Bei Juan gelangen wir an unsere Grenzen. Doch Institutionen, die ihn und seine Familie betreuen könnten, gibt es in seiner Gegend nicht. Also müssen wir versuchen, ihn im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen.

Juans Schwester ist mittlerweile zuversichtlicher: „Ich hoffe, dass es noch mal so wird wie vor Juans Unfall. Da konnte er immer mit der Familie essen. Und irgendwann will ich wieder mit ihm an die Lagune gehen, wie früher. Da war Juan glücklich.“

*Name geändert