Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Kurz vor der Abfahrt zum Krankenhaus: Die Ärzte bringen die Patientin zu unserem Wagen.

Am 17. Oktober 2018 haben wir in Nuevo Jerusalem gearbeitet, einem abgelegenen kleinen Dorf, das mehr als eine Autostunde von Bacalar entfernt ist. Wären wir einen Tag früher oder später dort gewesen, hätte eine junge Frau ihr Leben verloren.

Denn sie hatte einen schweren Unfall: Während eines epileptischen Anfalls war sie so unglücklich in ein Messer gestürzt, dass sie sich fast die rechte Hand abgetrennt hätte. Ihr Mann brachte sie zum Gesundheitszentrum, wo wir gerade an diesem Tag einen Einsatz hatten. Sie drohte zu verbluten – eine halbe Stunde später, und sie hätte keine Chance gehabt. Fünf unserer Ärzte versorgten sie, konnten sie soweit stabilisieren, dass wir sie in das Krankenhaus von Bacalar transportieren konnten. Einige Männer trugen sie zu unserem Minibus und legten sie dort auf eine Sitzbank, drei Ärzte begleiteten sie.

Warum wir nicht den Rettungswagen gerufen haben? Zwar ist medizinische Notfallversorgung in Mexiko kostenlos und sind die Krankenhäuser verpflichtet, solche Patienten aufzunehmen. Doch wie überall im  mexikanischen öffentlichen Gesundheitssystem herrscht auch dort ein großer Mangel. Rettungswagen sind oft schlecht ausgestattet und nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Wer Hilfe braucht, muss viel Geduld aufbringen: Beim Anruf gerät man in eine Warteschleife, ein Rettungswagen ist oft nicht direkt verfügbar. Bis ein Wagen in einem Ort wie Nuevo Jerusalem ankommt, kann es Stunden dauern. Diese Zeit hatte die Patientin nicht …

Die Ärzte konnten ihr Leben retten, aber nach wie vor bestand für sie die Gefahr, die Hand zu verlieren. Gestern erfuhren wir, dass sie vom Krankenhaus in Bacalar in eine besser ausgestattete Klinik nach Mérida gebracht worden war. Dort konnte ihre Hand gerettet werden. Wir sind über diesen glücklichen Ausgang  erleichtert – und  froh, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.