Die Zeichen des Körpers deuten. Interview mit Beate Baumann.

Beate Baumann war letztes Jahr zum ersten Mal bei einem Einsatz dabei. Sie hat Einführungen zu NER gegeben — Natürlicher Empfängnisregelung. Ihre Kurse waren sehr gefragt, deshalb hat sie uns auch dieses Jahr wieder nach Quintana Roo begleitet. In dem Interview erzählt sie von ihrer Arbeit.

MMN: Können Sie kurz erklären, was NER ist?

Beate Baumann: Bei der natürlichen Empfängnisregelung nach Rötzer geht es darum, die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus einer Frau zuverlässig zu erkennen. Es handelt sich also nicht um Verhütung, sondern um Beobachtung: Wenn ich weiß, wann die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage sind, kann ich entscheiden, ob ich schwanger werde oder nicht. Ich regele also die Empfängnis.

MMN: Wie muss eine Frau dabei vorgehen?

Beate Baumann: Um das richtig zu lernen, sollte man am besten einen Kurs machen. Die fruchtbaren Tage werden durch Zervixschleim angezeigt. Beobachtungen darüber werden in einer Tabelle dokumentiert. Der Beginn der unfruchtbaren Tage lässt sich mit Hilfe der Aufwachtemperatur bestimmen. Diese Methode wird als sympto-thermale Methode bezeichnet. Entwickelt wurde sie von dem österreichischen Arzt Professor Dr. Josef Rötzer.

MMN: Wie sind Sie mit dem Thema NER in Berührung gekommen? 

Beate Baumann: 1987 habe ich einen Kurs an der Volkshochschule in Biberach an der Riss gemacht. Es hat mich fasziniert, was ich da alles über meinen Körper erfahren habe. Vieles wusste ich vorher gar nicht. Danach habe ich eine weitere Ausbildung gemacht und kann das Wissen seitdem als Multiplikator weitergeben. Zuhause gebe ich gelegentlich Kurse, aber die natürliche Empfängnisregelung ist in Deutschland leider nicht sehr bekannt.

MMN: Wie sieht es hier aus? Wie finden Sie Teilnehmer für Ihre Kurse?

Beate Baumann: Zu Beginn eines Einsatztags stellt mich Padre Higinio den Patienten vor, die auf ihre medizinische Behandlung warten. Dann spreche ich kurz über das Thema Fruchtbarkeit. Der Mann ist immer fruchtbar; die Frau hingegen hat eine zyklische Fruchtbarkeit — sie hat fruchtbare und unfruchtbare Tage in ihrem Zyklus. Ich habe ein Schaubild, mit dem ich das gut erklären kann. Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, kann separat zu mir kommen, damit ich in Ruhe den Zyklus erklären kann. Ein NER-Kurs ist das aber nicht, denn dafür braucht man mehr Zeit. Wir schauen uns an, was in den Zyklusphasen im Inneren des Körpers alles geschieht und was dabei äußerlich sichtbar wird. Das sind viele neue Informationen für die Frauen. Sie sind oft fasziniert, wie wunderbar alles aufeinander abgestimmt ist.

MMN: Wie viel wissen die Frauen hier über ihren Körper? Haben sie von dem Thema vorher schon gehört?

Beate Baumann: Die Frauen wissen nicht viel über den Zyklus, aber das ist in Deutschland genauso. Viele sagen, das haben wir alles nicht gewusst. Hier in Mexiko denken viele Frauen, dass die Menstruation am selben Datum einsetzt wie im Vormonat. Wenn das nicht zutrifft, was meistens der Fall ist, fürchten sie, dass die Menstruation unregelmäßig ist. Sie empfinden dann oft Stress, was aber durch eine gute Zyklusbeobachtung und die Vorgehensweise der NER vermieden werden könnte.

MMN: Wie viel können Sie den Leuten in Ihren Kursen hier vermitteln, wie schätzen Sie das ein?

Beate Baumann: Sie erfahren erst einmal, dass es NER gibt, und bekommen etwas Wissen über Biologie. Aber nicht nur das: Gemeinsam staunen wir über das Wunder des Lebens. Dann haben sie mal davon gehört, können im Familien- oder Freundeskreis davon erzählen und sich weiter informieren. Die Methode zu erlernen, braucht Zeit. Das geht nicht in ein paar Minuten. Deshalb frage ich die Frauen, die viel Interesse zeigen, ob sie noch mehr erfahren und einen NER-Kurs besuchen möchten. Die Adressen werden gesammelt. Im vergangenen Jahr hatte ich eine Gruppe in Felipe Carrillo Puerto, die an vier Abenden gelernt hat. Mit einigen von ihnen habe ich mich dieses Jahr zweimal getroffen, um weiterzumachen. Unter ihnen ist ein Ehepaar, Daniel und Yareni, das die Vorgehensweise schon sehr gut kennt. Sie haben sich als Ansprechpartner für die neuen Interessenten zur Verfügung gestellt und auch schon eine Gruppe gebildet, die sich regelmäßig treffen will.

MMN: Es geht darum, durch Wissen über den eigenen Körper mehr Kontrolle über den eigenen Körper zu bekommen. Kann man das zusammenfassend sagen?

Beate Baumann: Ja, denn es geht um reine Beobachtung und darum, die Zeichen des Körpers zu deuten. Wenn Frauen, die einen unregelmäßigen Zyklus haben, diese Methode anwenden, machen sie auch oft eine interessante Beobachtung: Ihre Zyklen werden regelmäßiger. Sie vertiefen das Wissen über die Abläufe in ihrem Körper, und dadurch werden sie auch selbstbewusster. Aber auch die Männer sollten die natürliche Empfängnisregelung kennen lernen. Wenn beide Partner miteinander diesen Weg gehen, tragen sie gemeinsam die Verantwortung.

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