4.3.2011, Cozumel

„No come“: Das Kind ißt nicht. Diesen Satz hören Dr. Gábor Egervári und seine Übersetzerin Ingrid Bettin-Heitmann jeden Tag mindestens 20 Mal – von Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen. Doch sind die Kinder, die sie den Ärzten vorstellen, durchaus nicht unterernährt, sondern von normalem Gewicht oder sogar dick.

Ihre Tochter esse gar nichts. Sie versuche, sie zum Essen zu zwingen, erzählt eine junge Mutter. Das kleine Mädchen schaut ängstlich und zugleich ein wenig trotzig. Was sie denn gefrühstückt habe? fragt Ingrid. Zu wenig war es nicht: ein paar Tortillas, Eier … Das Mädchen ist schlank, bei bester Gesundheit. Es weigert sich weiterzuessen, wenn es genug hat. Doch das versteht die Mutter nicht: Essen bedeutet Liebe, Gesundheit, um ein molliges Kind muß man sich weniger Sorgen machen. „Sie ist genau richtig,“ erklärt Ingrid, „schlank, gesund. Sie soll auf keinen Fall zunehmen.“ Im Gesicht des Kindes sieht man ein Leuchten. Das Mädchen versteht nicht alles, was Ingrid erklärt, aber es merkt, daß wir sie verstehen, ihr keine Vorwürfe machen. Die Mutter ist mißtrauisch. Ingrid nimmt sich Zeit für eine lange Erklärung. Sie sagt der Mutter, daß man Kinder nicht mit Süßigkeiten belohnen soll, ihnen Liebe nicht in Form von Schokolade geben soll. Daß Limonade kein Obst in Flaschen ist.

Sie erklärt und erklärt, mit viel Geduld. Jeden Tag kommen viele Eltern, die glauben, ihr Kind esse zu wenig. Wir haben viele Patienten mit Übergewicht, Ernährungskrankheiten. Die Kinder sind dick, leiden an Bewegungsmangel und Karies. Viele Erwachsene haben Diabetes. Mit der Aufklärung muß man bei den Müttern ansetzen: Nur wenn sie verstehen, daß sie ihre Kinder gesund ernähren müssen, kann sich etwas ändern.

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Heute wurden in Cozumel mehr als 500 Patienten behandelt.

 

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