14. und 15.3.2011, X-Hazil und Abreise

Am Montag waren wir in Dzula, einem Dorf nicht weit von Felipe Carillo Puerto. Wir arbeiteten dort im Gemeindezentrum und haben etwa 200 Patienten behandelt. Noch am letzten Arbeitstag erlebte Birgit Fraune, die unsere Finanzen verwaltet, eine Premiere: Sie hat zum ersten Mal für eine Ärztin übersetzt. Birgit hatte in Deutschland mehrere Sprachkurse an der Volkshochschule abgeschlossen. Die Patienten zu verstehen fiel ihr leicht. „Spanisch zu sprechen war schwerer,“ erzählt sie. Doch auch wenn sie manchmal noch nach den richtigen Wörtern suchen mußte, war sie bei ihrem ersten Einsatz als Übersetzerin sehr erfolgreich. Und hat dabei zugleich erfahren, wie anstrengend diese Arbeit sein kann: Denn das Wichtigste beim Übersetzen ist es, die Konzentration zu wahren – und dies ununterbrochen, den ganzen Tag.

Schon in den beiden vorangegangenen Wochen konnte Birgit viel für ihre Sprachpraxis tun: Denn sie hat die gebrauchten Brillen, die wir aus Deutschland mitgenommen hatten, an die Patienten ausgegeben. 420 Brillen hat sie insgesamt verteilt: „Das ist eine ganze Menge,“ sagt sie, „denn man muß sich an jede Brille erst einmal herantasten und schauen, ob sie paßt und die richtige Sehstärke hat …“ Die Dankbarkeit der Patienten, die sie immer wieder erleben durfte, hat Birgit sehr beeindruckt. Noch am Dienstag, kurz vor unserer Abreise, kam eine alte Maya-Dame auf sie zu, weil sie sich bei ihr bedanken wollte. Sie hatte eine Brille bekommen und war glücklich, weil sie endlich wieder mehr sehen konnte.

Bei der Abschlußfeier am Montagabend waren einige Tränen geflossen. Einige Patienten hätten schon gefragt, wann wir im nächsten Jahr wiederkämen, erzählte Padre Higinio. Es wird wohl nicht unser letzter Einsatz in Mexiko gewesen sein. Die Medikamente, die übrig geblieben waren, ließen wir in Felipe Carillo Puerto zurück: Denn schon am Dienstag sollte ein amerikanisches Team unsere Arbeit fortsetzen.

Am Dienstag Nachmittag stiegen wir in das Flugzeug nach Frankfurt, müde, aber reich an schönen und traurigen Erinnerungen und neuen Erfahrungen. Die Freude und Dankbarkeit der Patienten haben uns berührt, die bedrückende Situation, in der viele von ihnen leben, sehr nachdenklich gemacht. Es gibt noch viel zu tun.