Die Lebensbedingungen in den Dörfern von Quintana Roo

In Quintana Roo wandern viele Menschen aus den Dörfern ab, um in den Touristenhochburgen Cancun und Playa del Carmen Arbeit zu finden. Die Jobs, die sie dort bekommen können — in Hotels, Restaurants oder auf Baustellen –, sind meist sehr schlecht bezahlt und körperlich anstrengend. Trotzdem hört die Landflucht nicht auf: Dörfer wie Sacalaca oder Limones verwaisen immer mehr. Viele Einwohner der Dörfer verbinden mit dem Leben in der Stadt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Denn die Lebensbedingungen in den Dörfern sind sehr schlecht. Es gibt kaum Arbeit und schon gar keine festen Arbeitsverhältnisse, sondern nur kurzfristige Beschäftigung in der Landwirtschaft.

Wenn Arbeit da ist, arbeitet die ganze Familie in den Feldern, die Eltern, meist noch die Großväter und die Kinder ab zehn oder elf Jahren. „Die Kinder versäumen hier viel Schulunterricht. Dass sie regelmäßig in die Schule kommen, lässt sich nicht durchsetzen“, erzählt Rosa Maria, eine Grundschullehrerin aus der Umgebung. „Denn die Eltern sagen: Wozu sollen die Kinder in die Schule gehen, wenn sie auf dem Feld gebraucht werden?“ Damit beginnt ein Teufelskreis: Wenn die Kinder später die Schule verlassen, können sie kaum richtig lesen und schreiben, haben keine Chance auf eine Berufsausbildung und werden ebenfalls ihr Leben in Armut verbringen. Doch die Familien sehen keine andere Lösung, als die Kinder aufs Feld zu schicken. Denn ein Landarbeiter verdient hier am Tag nur zwischen 50 und maximal 70 Pesos, also umgerechnet zwischen 3 Euro und 4,50 Euro — und das nur an Tagen, an denen es Arbeit gibt. Die Lebenshaltungskosten liegen in dieser Gegend höher, verschiedene Befragte gaben an, dass rund 100 Pesos am Tag benötigt werden.

Wer ein Stück Land besitzt, kann sich teilweise selbst versorgen und für den eigenen Bedarf säen und ernten. Unternehmen und große Konzerne, die Konsumenten auf der ganzen Welt versorgen, kaufen viele landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Region, wie Limetten und Orangen. Doch sie kaufen nicht den Kleinbauern selbst ihre Waren ab, sondern Zwischenhändlern, die bei den Kleinbauern die Preise drücken. Für die Kleinbauern bleibt sehr wenig übrig. Die Lage der Dorfbevölkerung verschärft sich außerdem dadurch, dass die Preise für Grundnahrungsmittel, wie Mais und Bohnen, in den vergangenen Jahren rapide angestiegen sind.

Haeuser in Sacalaca
Häuser in Sacalaca

Die Wohnverhältnisse in den Dörfern sind ebenfalls prekär, meistens leben mehrere Generationen in einer Mayahütte oder einem winzigen Haus mit nur einem Zimmer, oft ohne fließendes Wasser. Da es an bezahlbaren Transportmöglichkeiten fehlt, sind die Menschen in den Dörfern von der Außenwelt isoliert. Unterhaltungsmöglichkeiten oder kulturelle Angebote gibt es nicht, Ärzte nur im Gesundheitszentrum, das nicht ständig besetzt ist und oft keine Medikamente zur Verfügung hat. Viele Männer flüchten in den Alkohol. „Die Frauen leiden darunter. Sie arbeiten den ganzen Tag und müssen ihrem Ehemann gehorchen,“ sagt Rosa Maria, „on Gleichberechtigung sind sie sehr weit entfernt.“

„Der Traumberuf vieler Jugendlicher ist hier: Kellner in Playa del Carmen“, fügt Rosa Maria hinzu. Doch nicht nur die Jugendlichen, auch die mittlere Generation zieht es in die Städte. Junge Eltern lassen ihre Kinder bei den Großeltern zurück, Männer ihre Familien, die an dieser Situation oft zerbrechen. Solange es keine Maßnahmen gibt, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der Dorfbewohner verbessern, haben sie jedoch keine andere Wahl.