Zwei Wochen im Dschungel — Erfahrungsbericht von Arturo Lopez und Dr. Dorit Wilke-Lopez

DSC_0028-2Arturo Lopez:

Ich bin aus Liebe zu meiner Frau nach Quintana Roo mitgekommen. Dorit wollte gerne bei dem Einsatz mitmachen, und ich wollte sie dabei unterstützen. Wir hatten uns das alles hier schwieriger und gefährlicher vorgestellt. Wir dachten, wir wären in einer Art Dschungelcamp, ohne Wasser und Elektrizität. Ich habe auch meine Wanderstiefel mitgenommen und die ältesten Hosen, die ich überhaupt finden konnte. Ich war also auf den Dschungel vorbereitet und wollte meine Frau da natürlich auch ein bißchen beschützen.

Meine Erwartungen habe ich aber schnell korrigiert. Vor 30 Jahren war ich schon einmal in der Gegend und bin erstaunt, wie schnell sich das alles hier entwickelt hat. In unseren Hotels haben wir uns wohlgefühlt, und der Einsatz war gut organisiert.

Für mich persönlich war die Arbeit hier nicht sehr anstrengend — sie hat mir eher geholfen, mal den Kopf freizukriegen. Ich bin von Beruf Ingenieur und zu Hause entwerfe und implementiere ich Sicherheitsarchitekturen für Informationssysteme. Für die Ärzte ist es sicher anstrengender als für Ehepartner, die sie begleiten. Denn sie arbeiten in ihrem richtigen Beruf.

Morgens habe ich immer meiner Frau geholfen, den Raum für die Gynäkologie einzurichten — mit einer Liege und einer abgetrennten Kabine für Untersuchungen. Danach habe ich für Frau Dr. Adapoe die Liegen aufgebaut und für sie übersetzt. Bei Frau Dr. Adapoe habe ich viel über Akupunktur gelernt.

Vorher hatten wir uns auch überlegt, daß wir schauen wollten, ob wir die Einsätze an Ärzte aus unserem Bekanntenkreis weiterempfehlen würden: Das werden wir auf alle Fälle. Ich war positiv überrascht. Im Dschungel waren wir tatsächlich. Aber daß wir in einem Dschungel sein würden, in dem man abends an der Plaza bei Live-Musik ein kühles Bier trinken kann — das hätte ich vorher nicht gedacht.

DSC_0024-4Dr. Dorit Wilke-Lopez:

Es war für mich eine schöne Erfahrung, daß du mitgekommen bist, Arturo. Obwohl ich denke, daß du mich gar nicht beschützen musstest. Die Momente, in denen man wirklich schwierigen Bedingungen ausgesetzt ist, sind begrenzt — das ist nur bei der Arbeit so, in den Mayadörfern. Was mich in den zwei Wochen besonders beeindruckt hat, waren die starken Frauen hier, die sich mit ihren vielen Kindern so mutig und gelassen durchs Leben kämpfen. Von der medizinischen Seite her fand ich es schön, daß es hier wirklich um Heilung geht, um kurative, nicht nur um präventive Medizin, wie so oft zuhause in der Gynäkologie.

Bei der Arbeit muß man natürlich immer improvisieren. Bei Therapieentscheidungen gibt es hier sehr viele Faktoren zu berücksichtigen, zum Beispiel, wie teuer das für die Leute wird oder wo es kostenlose Medizin gibt. Ich bin auch mitgekommen, weil ich schauen wollte, wie sinnvoll Einsätze hier sind. Ich konnte mich davon überzeugen, daß sie notwendig sind. Nicht alle Menschen haben hier Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem. Und selbst wenn man versichert ist, hat die Sache oft einen Haken: Man muß ewig auf einen Termin warten und kommt am Ende doch nicht dran. Oder man müßte zu einem Facharzt in die Nachbarstadt fahren, was daran scheitert, daß man kein Fahrgeld hat.

Wir arbeiten hier unter einfachen Bedingungen, können aber trotzdem viel ausrichten. Die Arbeit ist oft anspruchsvoll für Ärzte. Denn hier kann man nicht gleich eine Magnetresonanztomographie machen, röntgen oder sich auf das Labor verlassen. Sondern man verschafft sich durch Tasten, Horchen und Gucken einen Gesamteindruck vom Patienten. Man kann aber sehr viel herausfinden, wenn man eine genaue Anamnese macht.

Mit Instrumenten waren wir gut ausgestattet, und wenn etwas fehlte, wurde es sofort besorgt. Vor Ort wird so viel organisiert, daß man sich wirklich auf die Arbeit konzentrieren kann.