Interview mit Dr. Shanti Lokhande

Dr. Shanti LokhandeDr. Shanti Lokhande hat 2010 an der Medical Mission in Mexiko teilgenommen. Sie war die jüngste Ärztin in der Gruppe: Danach begann sie ihre Facharztausbildung. In einem Gespräch erzählt sie, wie sie die Zeit in Mexiko erlebt hat.

Denken Sie gerne an die Medical Mission zurück? Was hat Sie besonders beeindruckt?

Ich habe seit unserer Rückkehr fast jeden Tag an unser Projekt gedacht, an dieses schöne Land und die große Gastfreundschaft, die uns von den Mexikanern entgegengebracht wurde. Viele verschiedene Eindrücke habe ich mitgenommen. An einige Patienten, mit denen ich längere Gespräche hatte und die mir viel aus ihrem Familienleben erzählt haben, denke ich oft und gerne zurück.

Ich erinnere mich auch oft an den langen Tag auf Cozumel, an dem sehr viele Menschen zu uns kamen, nachdem im Fernsehen ein Interview mit drei von unseren Teilnehmern gesendet worden war. Beeindruckt haben mich da besonders die Ärzte im Team, die auch spät noch trotz Müdigkeit, Hunger und der Hitze mit so viel Liebe und Geduld Patienten behandelt haben, und das ohne zu klagen.

Hat sich für Sie durch diesen Einsatz etwas verändert, z. B. Ihre Sicht auf den Alltag oder auf Ihre Arbeit als Ärztin?

Ich habe unsere hohen medizinischen Standards in Deutschland noch mehr zu schätzen gelernt. Wie oft habe ich mir gewünscht, mal schnell eine Blutabnahme oder einen Abstrich ins Labor geben zu können und kurze Zeit später das Ergebnis zu erhalten! Das war in Mexiko nicht möglich. So wurde nach klinischer Untersuchung und Erfahrung nach der wahrscheinlichsten Erkrankung behandelt. Das war für mich als Berufsanfänger spannend und zugleich eine Herausforderung. Ich musste lernen, ganz auf meine bisherigen Kenntnisse, meine Hände und meine Augen zu vertrauen. Mich hat die Medical Mission sehr in meinem Wunsch bestärkt, als Ärztin zu arbeiten. Viele der Maya wussten wenig über ihre Erkrankung oder physiologische Vorgänge in ihrem Körper, und es hat mir Freude gemacht, sie in Ruhe darüber aufzuklären. Es war faszinierend zu sehen, wie viel schon allein damit geholfen werden konnte. Einige Patienten — darunter sogar ältere Menschen – wurden zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt von einem Arzt untersucht.

Sie haben als gerade fertig ausgebildete Ärztin an der Medical Mission teilgenommen. Wie war für Sie dieser Sprung ins kalte Wasser? Waren Sie vorher sehr aufgeregt?

Ja, es war und ist für mich sehr aufregend, nach dem langen Studium endlich als Ärztin zu arbeiten. Dies noch viel mehr in Mexiko, wo mir die Umstände, unter denen ich arbeiten würde, nicht bekannt waren. Auch das Team kannte ich zum größten Teil vor der Reise nicht, und ich konnte nur wenige Sätze Spanisch. All das waren aber keine unüberwindbaren Hürden. Ich wurde von den erfahrenen Ärzten gut unterstützt, ich hatte immer einen mexikanischen oder deutschen Übersetzer neben mir, und schließlich haben wir alle als Team zusammen gearbeitet — für mich war das Miteinander in unserer deutsch-mexikanischen Gruppe ein tolles Gemeinschaftserlebnis!

Wie ist eigentlich Ihr Kontakt zu Medical Mission Network zustande gekommen?

Ich hatte vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal von den Medical Missions gehört. Kurz vor meinem Examen im Dezember fragte mich Stephanie, die als Hebamme schon in Mexiko und Ghana dabei war, ob ich nicht in diesem Jahr mitfahren möchte.

Was hat Sie dazu motiviert teilzunehmen?

Mich hat Entwicklungshilfe schon immer interessiert. Ich fand es spannend, in diesem Projekt mitzuwirken, weil wir uns zu den Menschen in ihre Dörfer oder manchmal sogar direkt in ihre Häuser und Hütten begeben haben, um vor Ort konkret und mit den gegebenen Mitteln Hilfe zu leisten. Auch die christliche Motivation des Projekts und die Verknüpfung von gemeinsamen Gebet und Leben im Glauben mit unserer Arbeit hat mich angesprochen und während der Reise sehr gestärkt. Ich sehe in diesem Einsatz eine wunderbare Möglichkeit, einen Teil von dem zurückzugeben, was ich im Leben und während des Studiums von anderen Menschen geschenkt bekommen habe.