Dr. Stilla Bauernfeind — „Getragen wird man vom Team“

DSC_0124Nachdem ich bereits 2009 — zwischen Beendigung des Medizinstudiums und Beginn der ersten Arbeitsstelle — an einer Medical Mission in Mexiko teilgenommen hatte, durfte ich nach langer Ruhepause in diesem Jahr, 2014, erneut dabei sein, mittlerweile als „Fast-“Facharzt der Inneren Medizin mit Schwerpunkten in Infektiologie und Gastroenterologie.

Verwöhnt von den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einer deutschen Universitätsklinik fühlt man sich vielleicht zurückversetzt ins Lambarene des vergangenen Jahrhunderts. Dem ist allerdings nicht so. Auch an meiner Arbeitsstelle bestätigen die apparativen Untersuchungen oft nur, was ich ohnehin aus Anamnese und klinischer Untersuchung schon vermutet hatte, sodass es nach einiger Zeit nicht mehr schwerfällt, auf Annehmlichkeiten wie Labor und Röntgen zu verzichten. Und Sonographie war dank eines mobilen Gerätes auch in der Selva Mexikos möglich.

Die Motivation für das Mitwirken an solch einem Projekt liegt allerdings nicht in der medizinischen Herausforderung.

Es sind vielmehr die menschlichen Begegnungen, die hundertfach das zurückgeben, was man selbst zu geben vermag. Beeindruckend sind Erfahrungen wie in Jose Maria Morelos, wo Menschen sich nachts auf den Weg machen, um zur Sprechstunde vor Ort zu sein; stundenlanges Warten wird in Kauf genommen, Beschwerden habe ich nie gehört. Die Konsultationen sind ernste Diskussionen, wichtig ist die gesundheitliche Aufklärung, nichtsdestotrotz alles gepaart mit viel Humor.

Funktionsfähig ist ein solches Projekt nur durch die vielen Freiwilligen, insbesondere auch jene vor Ort, die wochenlang vorbereiten und am Tag hilfreich zur Verfügung stehen und kleine Probleme schnell zu lösen vermögen. Ganz zu schweigen von dem jeweils in den Dörfern zubereiteten traditionellen Mittagsmahl – wahrlich ein Geschenk der Gastfreundschaft dieser Menschen. Ein Tourist wird wohl kaum die Maya-Kultur so hautnah erleben können.

Getragen wird man durch das Team — man ist Teil einer Gemeinschaft, deren Mitglieder als verbindendes Element das Ansinnen haben, mit dem Talent, das sie von Gott empfangen haben, dem Nächsten, dem Armen, zu helfen, sei es als Übersetzer, Krankenschwester, Arzt, Apotheker, Mediateam oder in der Logistik. In schwierigen Situationen hilft das Beispiel der anderen — die Geduld und Freude zu sehen, mit der sie ihre Aufgabe erfüllen; so wird auch der eigene Enthusiasmus durch das Team immer wieder neu entfacht und Schwierigkeiten werden überwunden.

Unzählige Geschichten hat jeder von uns über das Erlebte zu berichten, wenn der Blutzucker wegen Unmengen von Cola einfach zu hoch ist, wenn die Maya-Frauen minutenlang die weiße Hautfarbe der deutschen Ärztin belächeln (die das erst später mitbekommt – man unterhält sich schließlich auf Maya …), wenn man das kleine Mädchen vor der Toilette erfolgreich bittet „tu me regalas de tu papel …“ („Schenkst du mir was von deinem Toilettenpapier …“).

Es ist ein großes Geschenk, dabei gewesen sein zu dürfen …