„Wir wollen für alle Notleidenden erreichbar sein“ – Interview mit Laura Tuz

Im März haben wir unseren ersten Einsatz mit der DIF in Bacalar durchgeführt. Die DIF ist eine staatliche Einrichtung, die sich der Sozial- und Familienfürsorge widmet. Sie ist in jedem Municipio Mexikos — ein Municipio ist ein Verwaltungsbezirk, ähnlich wie ein Landkreis — vertreten. Die DIF Bacalar betreut neben der Stadt Bacalar 57 Dörfer. Laura Tuz ist die Leiterin der DIF Bacalar. Im Interview berichtet sie von ihrer Arbeit und den Vorbereitungen für unseren Einsatz.  Die Dörfer, die wir besucht haben, kennt sie selbst sehr gut. Denn sie ist in Reforma geboren — dort waren wir an unserem zweiten Einsatztag.

Können Sie die Aufgaben der DIF kurz beschreiben?

Laura Tuz

Laura Tuz

Laura Tuz: Die DIF organisiert Projekte für Menschen, die in Not sind oder Unterstützung brauchen. Außerdem bieten wir individuelle Hilfe an. Wenn jemand zu der DIF kommt und um Unterstützung bittet, ist es meine Aufgabe, unmittelbar eine Entscheidung zu treffen. Wer krank ist und dringend Medikamente braucht oder ins Krankenhaus muss, kann sich an die DIF wenden. Wir geben viel Geld für medizinische Behandlungen aus und versuchen, für jeden die beste Lösung zu finden. Wir haben überall Kontaktpersonen, die uns die Anliegen der Leute übermitteln — auch in abgelegenen, kleinen Dörfern. Wir wollen für alle Notleidenden erreichbar sein, und so können wir das sicherstellen.

Die DIF leistet also oft medizinische Hilfe, ist das richtig?  Als wir unseren Einsatz in dem Dorf Zamora durchgeführt haben, habe ich gesehen, dass auch Lebensmittel ausgeteilt wurden …

Lebensmittelausgabe in Zamora

Lebensmittelausgabe in Zamora

Laura Tuz: Wir haben verschiedene Programme, und eines besteht darin, Lebensmittel an Notleidende zu verteilen. Es richtet sich an ältere Leute, Behinderte und auch an benachteiligte Kinder. In einem Rhythmus von zwei oder drei Monaten kommen wir in die Dörfer und bringen Lebensmittel. Das Budget dafür bekommen wir vom Municipio. In Zamora bekommen 80 Leute Lebensmittel. Ein anderes Projekt besteht zum Beispiel darin, Rollstühle für Menschen zu besorgen, die einen brauchen.

Können Sie von Ihren Vorbereitungen für den Einsatz erzählen?

Laura Tuz: Wir haben Pater Bennet vor einem Jahr in Limones kennengelernt, bei einem Ihrer Einsätze. Wir haben darüber gesprochen, ob Medical Mission Network auch in Bacalar arbeiten könnte. Seitdem liefen schon unsere Vorbereitungen. Wir haben die Dörfer ausgewählt, die bei dem Einsatz besucht werden. Wir haben die Dorfbewohner, unsere Kontaktpersonen dort und auch die Lehrer gefragt, ob sie uns helfen können. In jedem Dorf haben wir eine Mannschaft zusammengestellt, die den Einsatz geplant hat.

Nach welchen Kriterien wurden die Dörfer ausgewählt?

Laura Tuz hilft bei der Aufnahme der Patienten.

Laura Tuz hilft bei der Aufnahme der Patienten.

Laura Tuz: Wir haben uns für Dörfer entschieden, die sehr abgelegen sind und in deren Nähe keine Apotheke liegt. Zamora ist zum Beispiel 80 Kilometer von der nächsten Apotheke entfernt. Wenn dort jemand krank wird, kann er nicht so leicht Medikamente bekommen — realistisch betrachtet sogar gar nicht. Es gibt zwar Dörfer, die noch weiter abgelegen sind als die, die wir ausgewählt haben. Aber dort hinzukommen ist sehr schwierig, weil die Straßen zu schlecht sind und die Entfernung zu weit ist. Aber wir haben beobachtet, dass auch Leute aus solchen Dörfern zu unseren Einsatzorten gekommen sind.

Hat die DIF auch eigene Ärzte, die bei ihr angestellt sind?

Laura Tuz: In Bacalar nicht, in Chetumal jedoch schon. In einigen Municipios hat die DIF eigene Ärzte. Das Municipio Bacalar ist kaum 5 Jahre alt, es wurde erst 2011 gebildet, hier fehlen noch einige Strukturen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Laura Tuz: Wir wollen versuchen, zumindest für eine Krankenschwester eine feste Stelle zu schaffen. Wir können noch nicht so viel medizinische Unterstützung anbieten, wie wir es uns wünschen. Wir sind deshalb sehr froh, dass Sie diesen Einsatz mit uns durchgeführt haben. Und wir hoffen, dass wir weiter mit Medical Mission Network zusammenarbeiten werden. Die Menschen hier sind sehr dankbar, dass Sie gekommen sind.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.